Plattdeutsches mit Seele



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Von Gerhard Baune                                   

Westerkappeln.

Es gibt Menschen, denen muss man nur ein Instrument in die Hand geben, und im Handumdrehen ist ein hervorragendes Musikergebnis da. Jürn Cornelius ist so einer. Detlev, Hanno und Herbert, Mitspieler in der imaginären Studioband, tauchten nicht live auf, und das brauchten sie auch nicht, denn Jürn ersetzte sie mühelos. Dieser Mann ist Musiker durch und durch.
Dabei ist seine Masche einfach und schnell erklärt: Englische Songs werden auf Platt übersetzt und live vorgetragen. Was aber alles dahintersteckt, erfuhren die begeisterten Besucher des „Kuckucksnestes“ am Freitagabend in einem mehrstündigen Soloprogramm.


Mit fünf Gitarren in unterschiedlichen Akkord-, Kapodaster- oder Normalstimmungen, darunter eine exotische neunsaitige Waldzither („die läuft in G-Dur“), legte das Multitalent aus Varel los. Und er überzeugt, der „Still Jürn“, also der ruhige, nachdenkliche Liebhaber der leisen Töne, wenn er aus „Father and Son“ ein „Vader und Söhn“, aus „Yesterday“ ein „Güstern weer“, aus „Imagine“ ein „Stell di maal vör“ und schließlich aus „Tears in Heaven“ ein mitreißendes „Traanen in’t Hemel“ gestaltet.

Keinem Song nimmt er die Seele oder verfremdet sie. Vielmehr weiß er genau, wo die Grenze des Zumutbaren liegt. Selbstverständlich hält es der „Boxer“ von „Simon und Furunkel“ aus, wenn das Publikum zum Beckenstativ und Schlagzeuger umfunktioniert wird. Köstlich auch die Umwandlung des Nancy-Sinatra-Hits „These Boots Are Made for Walking“ in die Version mit Slide-Gitarre. Wenn Jürn Cornelius das Opening zu „St. Pepper“ von den „Buddels-Beatles“ mit der Querflöte nachzeichnet, das „We Will Rock You“ von Queen vom Publikum auf Müllsäcken à 60 Liter begleiten lässt, dann verrät sich der gelernte Schauspieler, der genau weiß, wie man mit dem Publikum umgeht.
Stings Musik erfährt eine effektive Begleitung auf dem „Grummelpott“ (der richtige Name lautet übrigens Spring drum), ein schottisches Lied brauchte genau die drei Akkorde der Concertina, und gegen das real existierende „Grundschulblockflötentrauma“ half tatsächlich die Zweifach-Version auf Sopran- und Altflöte.

Dabei ist aber nicht zu vergessen, dass hinter all dem bunten Treiben auf der Bühne ein pingelig genau hörender Musiker steht, der bis ins letzte melodische und akkordische Detail seine Gitarren zu spielen weiß und jeden Rhythmus exakt erfasst.
Nicht einmal das so einfach gestrickte „Dat du min Leevsten büst“ beließ er in seinem schlichten Dreiertakt. Was anfangs in holprigem Englisch bewusst für Heiterkeit sorgte, erklang am Ende als Zugabe im durchstrukturierten, weichen Arpeggio der Gitarre und ganz zartem Gesang, in den die Zuhörer bereitwillig einstimmten.